Blog Kontakt mit Fram2
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Kontakt mit Fram2

Einleitung

Wir haben wahrscheinlich noch die Möglichkeit eines QSOs aus dem Weltraum mit einer ausgewählten Location. Ich wollte gerne Fragen ob das in eurem Interesse wäre?

Mit diesen Worten begrüßte uns am 15. März eine E-Mail von Rabea Rogge. Diese Gelegenheit wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen und stimmten sofort zu. Die Planung lief mit der ARISS ab, welche uns mit vielen Ratschlägen zur Seite stand. Die waren auch nötig, denn dies war der erste Kontakt mit einer frei fliegenden Raumkapsel seit Ende der Space Shuttle Ära 2011.

Unsere Satellitenbodenstation BEEGND-4 stellte sich als nicht optimal heraus, da sie einen Öffnungswinkel von 4 Grad hat. Das ist etwa drei mal so groß, wie der Mond am Nachthimmel. Und damit eine 4m mal 8m große Kapsel zu treffen, welche sich mit 28.000 km/h über den Himmel bewegt, ist ohne genaue Kenntnisse der Flugbahn schwierig.

Eine Satellitenbodenstation mit zwei Antennen Die neu aufgebaute Bodenstation für den Kontakt

Da uns nur die ungefähren Bahndaten vorlagen, musste eine andere Bodenstation her. Zügig errichteten wir also eine zweite Station, welche zwar einen geringeren Gewinn hat, dafür aber über einen Öffnungswinkel von etwa 20 Grad verfügt. Diese neue Station diente in diesem Kontakt als Hauptstation, während wir BEEGND-4 als Backup verwendeten. Als Backup des Backups diente eine Vertikalantenne mit einem Cavityfilter und LNA.

Eine Funkamateurin testet die Bodenstation Letzte Tests an der Backup Station

Als Endstufe lieh uns ein Mitglied seine für den Amateurfunkbetrieb umgebaute TV-Endstufe, welche liebevoll “Die Brate” genannt wird. Für die Endstufe war eine komplexe TX-RX Schaltung erforderlich, deren Tests unglücklicherweise zwei LNAs zum Opfer fielen. Für einen verbesserten Empfang wurden Cavity Filter besorgt und getuned. Das alles, während Videomaterial für den Livestream aufgenommen wurde. So ist es nicht verwunderlich, dass die Anlage erst am Samstag den 30. März, zwei Tage vor dem geplantem Kontakt, fertig gestellt wurde. Doch bei den ersten Tests viel auf, dass die vorhandenen Bias-Ts nicht mit der hohen Sendeleistung klar kamen und Ersatz beschafft werden musste.

Zwei Personen verkabeln und testen die Endstufe Die Endstufe wird aufgebaut und getestet

Der Kontakt

Montag, 31. März: Die stärkeren Bias-Ts sind verbaut und die ersten Tests laufen. Während die Frequenzen in die Funkgeräte programmiert werden, fällt auf, dass das Backup-Funkgerät nicht für den Betrieb geeignet ist; Ersatz muss her. In der Zwischenzeit laufen die letzten Tests mit dem Primär-Funkgerät. Doch auch hier gibt es Probleme: GPredict stellt den Dopplershift zu 90% richtig ein, aber ab und zu hakt die Verbindung mit dem Funkgerät. Mehrere Versuche, das Problem zu lösen scheitern, sodass der Dopplershift im Zweifelsfall von Hand korrigiert werden muss.

Darüber hinaus gestaltet sich die Verkabelung der Audioausgänge der drei Funkgeräte komplexer als zunächst gedacht: Der Empfang von 3 Funkgeräten soll zusammengeführt werden und an verschiedene Operatoren (Sprechende, Dopplershift-Korrektur, etc) weitergereicht werden. Dieses stellt sich später als dysfunktional heraus.

Dienstag, 1. April: Übermüdete Operatoren treffen sich im Shack für die letzten Vorbereitungen. Alle Systeme sind gecheckt; es folgen 3 Passes von anderen Amateurfunksatelliten, welche als Generalprobe dienen: Alle Operatoren gehen ihre Aufgaben durch und bereiten sich auf den Aufgang der Raumkapsel vor.

10 Minuten bis zum Kontakt: Die Kommunikation zwischen GPredict und Funkgerät hängt sich auf, der Dopplershift wird kurzerhand von Hand korrigiert.

5 Minuten bis zum Kontakt: Im Shack herrscht maximale Spannung. Geistesgegenwärtig wird noch die Aufnahme des Audios am ICOM-9700 gestartet.

“2 Minutes ‘till Acquisition of Signal” tönt es von der Rotorkontrollstation. “Calling Lima Bravo Nine November Juliet, this is Delta Kilo Zero Tango Uniform calling for scheduled contact, over” geht der erste Ruf aus, doch es kommt keine Antwort. Ein zweiter Ruf und ein dritter bleiben ebenfalls ohne Antwort. Wechsel auf die Backup Station und erneuter Ruf, doch die erhoffte Antwort bleibt auch hier aus. Wieder Wechsel auf das Primärfunktgerät.

“30 Degrees above Horizon” tönt es von der Rotorkontrollstation. Noch immer keine Antwort. Es wird weiter gerufen.

Plötzlich, nach dem 26. Ruf, spring das S-Meter auf S9+20 und es ertönt “Delta Kilo Zero Tango Uniform I’ve got you loud and clear” in den Ohren der Operatoren: Endlich! Der Kontakt ist geglückt! Es beginnt der Austausch der Fragen.

Nach der zweiten Frage reißt der Kontakt ab. Versuche, ihn wieder herzustellen, scheitern.

Restrospektive und Danksagungen

Wir werten das QSO dennoch als einen vollen Erfolg. Uns ist durch den sehr engagierten Einsatz vieler Menschen der erste Amateurfunkontakt mit einer Raumkapsel seit 16 Jahren gelungen.

Fram2 am Abendhimmel Ein Foto von Fram 2 (der helle Streifen) am Abendhimmel

Eine Aufnahme des Livestreams der TU kann auf Youtube angesehen werden: https://www.youtube.com/watch?v=bmyXfmfhTJE

Der Stream beginnt ab Timestamp 4:26. Zum besseren Hören wurde dort die Aufnahme des Funkgerätes nachträglich hinein geschnitten.

Wir sind einigen Menschen zum Dank verpflichtet, ohne die dieses Event nicht möglich gewesen wäre:

Allen Voran möchten wir Rabea Rogge, LB9NJ und dem Team der Fram2-Mission danken, die uns diesen einmaligen Kontakt ermöglicht haben.

Die ARISS-USA, Lars Horvath und besonders Stefan Dombrowski, ON6TI, die uns tatkräftig sowohl mit ihrem reichen Erfahrungswissen, als auch moralisch unterstützten.

Der TU Berlin, auf deren Dach wir seit Jahrzehnten unsere Station betreiben. Und besonders ihrer Pressestelle, die uns einen wunderschönen Live-Stream produzierte, sowie den Medientrubel, welcher Austronaut:innen zwangsweise umgibt, managten. So konnten wir uns voll und ganz auf die Technik konzentrieren.

Die Mitarbeitenden des Fachgebiets Raumfahrttechnik, die uns mit Hardware und Wissen unterstützten.

Und Last, but not least: Alle unsere Mitglieder, die zwei Wochen lang enorm viel Mühe und Herzblut in dieses Projekt steckten. Ohne sie alle wäre dieser Kontakt nicht möglich gewesen.

Danke für alles und ein herzliches vy 73!

Rabea Rogge zu Besuch bei DK0TU, ©Kevin Fuchs, 2025Rabea Rogge zu Besuch bei DK0TU, Ende April 2025. ©TU Berlin/Kevin Fuchs

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